Die letzte Rose

Die letzte Rose

Wir kannten uns nur kurz, waren Nachbarn.
Ich zog erst vor Jahren hier hin … ein Glücksfall hier was zu bekommen.

Nette Zaungespräche, wie man so sagt.

Du mochtest Rosen und ich verpflanzte meine, so dass du sie sehen konntest.
Es ist eine Edelrose mit betörendem Duft.

Ab Frühling schenkte ich dir immer eine Blüte.
Du liebtest ihre parfumähnliche Note.
Rein und unverschnitten.
„Ah, da ist mein Rosenkavalier“ sagtest du und wir lachten beide.

Geboren 1934 in Danzig. Geflüchtet vor den Russen. Untergekommen bei Freunden in Bremen.
Du hast mit für die Familie gearbeitet.

Deine Mutter ging mit dir eines Tages zum Buttermarkt und lies einen Luftballon mit einer Karte steigen … „Bitte schreib zurück“.

Ein Junge fand den Ballon und er schrieb zurück, besser noch, er besuchte dich.
Ihr verliebtet euch, wurdet ein Paar, habt geheiratet und bekamt eine Tochter.

Deinen Mann verlorst du vor 19 Jahren.
Egal wie hart der Verlust für dich war, du bliebst in eurem gemeinsamen Haus.

Wenn Zeit war und du es zuließt, half ich dir.
Brachte und holte die Mülltonnen. Besorgte gelbe Säcke bei der Gemeinde.

Nach einem Sturz warst du lange in der Reha und ich schaute immer mal mit den Nachbarn nach dem Rechten.
Du wolltest immer zurück nach Hause.

Tage nach deiner ersehnten Rückkehr sah ich einen Krankenwagen mit dem du abermals fort fuhrst.

Im Hospiz ließ ich dir eine Rose bringen.
Dein Schwiegersohn sagte mir wie sehr du dich gefreut hattest als du dran rochst und einen Moment wieder da warst, lächeltest.

Der Wind war kalt auf dem Friedhof als ich diese Worte hörte und Tränen kullerten.

Diese letzte Rose ist für dich

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